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Niemand will einen Atomkrieg, doch aus Versehen kann er ausbrechen

I. Mit den neuen Gefechtsfeldern Weltall sowie Cyber- und Informationsraum wird die Komplexität künftiger kriegerischer Konflikte größer. Offene und verdeckte Operationen können vermischt werden (hybride Kriegsführung). Eine Kriegsführung lässt sich deshalb vermutlich nicht mehr leicht auf einen rein konventionellen Krieg reduzieren. Damit besitzt jede kriegerische Auseinandersetzung das Potenzial ein Atomkrieg zu werden.

II. Aus den geostrategischen Konzepten des Kalten Krieges wurde während der Zeit des Cold War gefolgert, dass man einen Atomkrieg infolge der Erhöhung der nuklearen Zerstörung niemals führen würde und dass man Bedrohungen aufbaut, die niemand kriegerisch einsetzen würde. Die Aussicht auf gegenseitige Vernichtung betrachtete man als atomkriegsverhindernd.

III. Der beschriebenen Atomkriegsverhinderung folgten nach dem Ende der bipolar gespaltenen Welt eine Phase der Reduktion von Atomwaffen und von zunehmendem Rückgang des öffentlichen Interesses an einem Atomkriegsrisiko.

IV. Seit einigen Jahren tauchte dieses Risiko nicht nur wieder auf, sondern wurde zu einer nuklearstrategischen Bedrohung des Globus, wie sie in der bisherigen Geschichte noch zu keiner Zeit bestand. Denn teils entfielen nach und nach alle relevanten internationalen Rüstungsbeschränkungen, teils traten neue Atomwaffenstaaten auf wie Indien, Pakistan und Nordkorea. Für all diese Akteure gibt es trotz der UNO keine bindende Konfliktregelung.

V. Zwischen verfeindeten Staaten gibt es drei mit ihrer Waffentechnik verbundene Risiken: Unfälle, irreführende Information und maschinenbestimmten Gewalteinsatz. Unfälle mit Atomwaffen gibt es, seit diese existieren. Bisher war ihr Schaden begrenzt. Es existiert jedoch keine Regel für weiterhin garantierte relative Harmlosigkeit.

Irreführende Informationen waren Teil des Krieges, solange es Krieg gibt. Hannibal hat zum Beispiel in der römischen Antike absichtlich die Römer zum Schein Teile seines Heeres besiegen lassen, um ihnen das trügerische Gefühl eines Sieges zu geben. Wenn in voratomarer Zeit Krieg Desinformation stets einschloss, so könnte Desinformation in einem geostrategischen Kontext nicht siegesbeschleunigend wirken, sondern Atomkriege auslösen, die niemand mehr gewinnen kann. Denn teils können militärische Feinde, teils aber auch fremde Hackergruppen sich in die elektronischen Bahnen der Desinformationen einschleusen.

Desinformationen sind Lügen, die im Fall ihres Erfolges dem anderen als Tatsachen erscheinen und unvorhersehbare Reaktionen einschließlich später erfolgender Irrtumskorrekturen zur Folge haben. Traditionelle militärische Desinformation sollten Siege beschleunigen. Militärische Desinformationen in atomaren Konstellationen können dagegen atomares Feuer auslösen.

VI. Eine noch größere Gefahr als Unfälle mit Atomwaffen oder als atomare Reaktionen auf Desinformationen bilden jene Gefahren, die von einem maschinenbestimmten atomarem Gewalteinsatz ausgehen.

VII. Wenn keine noch so abgesicherte Technik zwischen Fake und Realität von Signalen unterscheiden kann und wenn die Vorwarnzeiten so sehr schrumpfen, dass wir passive Zeugen eines Verhängnisses werden und wenn vom Atomwaffengebrauch ein maschinenenbestimmter Einsatz nicht mehr subtrahierbar ist, dann lautet der Weisheit letzter Schluss: Unter keinen denkbaren Umständen mehr atomare Waffen produzieren, aufstellen und Strategien für ihren Einsatz planen!

 

 

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